Eigentlich war ich immer dagegen, Berufstätigkeit und Hundehaltung zu kombinieren. Ich war fest davon überzeugt, mit der Anschaffung eines Hundes bis zu meiner Pensionierung warten zu müssen...bis meine - wie ich ganztags berufstätige - Freundin sich einen Westie anschaffte.
Sie ließ den Hund ein paar Tage nach Anschaffung vormittags allein, dann kam ihre Tochter aus der Schule und konnte sich um den Hund kümmern.

Was HABE ich dagegen gewettert!
Bis ich feststellte, dass es funktionierte. Der Hund schien ausgeglichen und fröhlich, obwohl er so plötzlich auf sich gestellt wurde, und Berichten nach gab es kein Bellen und Jaulen. Da schlich sich in mir der Wunsch nach einem Hund ganz nach oben ins Bewußtsein! Nur der Gedanke, den Hund drei Tage nach Einzug ins kalte Wasser zu werfen, gefiel mir nicht, das wollte ich anders lösen.

Dass es ein Chi sein würde, stand schon immer fest. Das nächste halbe Jahr verbrachte ich also mit der generalstabsmäßigen Vorbereitung wie Auswahl der Züchterin (ging blitzschnell :-))) und email-Diskussion mit ihr zu sämtlichen Gedanken und Sorgen zum Thema "teilweise alleinstehender Hund",  Durchfräsen  der Leihbücherei, insbesondere unter den Stichworten "Alleinbleiben", "Bellen
& Jaulen", Anschaffung einer Auswahl von Hundebüchern ... und vielen schlaflosen Nächten.
Nachdem ich fast der Meinung war, meine Lebenssituation ließe sich DOCH mit einem Hund vereinbaren, wurde Maya im Dezember geboren. JUBEL!!!
Nun wurde es ernst.
Ich ließ mir das Einzugsdatum ausrechnen und nahm dreieinhalb Wochen Urlaub. Daran schlossen sich zwei Wochen Osterferien an, in denen ich zwar wieder arbeiten mußte, aber meine elfjährige Tochter zu Hause sein würde. Danach nahm ich zum finalen crash-test noch mal drei Tage frei. Sechs Wochen
Einschleichzeit zum Alleinbleiben schienen ein beruhigendes Polster zu sein  :-)))

Als Maya eingezogen war und die erste Nacht - im Gegensatz zu mir - sofort durchgeschlafen hatte, wankte ich, der ernsthaften Ermahnungen meiner Züchterin eingedenk, SOFORT mit dem Alleinbleibetraining zu beginnen in den Keller...und schoss wieder die Treppen herauf: nichts war! Maya wedelte mir entgegen!
Am nächsten Tag traute ich mich zum Bäcker, dann zum Supermarkt und immer ein paar Minütchen weiter und länger weg. Maya bekam immer ihr Lieblings-Leckerchen, einen rice pop-Huhngeschmack-Knochen (`schuldigung) und war damit dann beschäftigt. Sie blieb auch in der Küche und ist uns bisher nie bis zur Haustür nachgelaufen. Zusätzlich ließen wir das Radio an und
verteilten Spielzeug und durchlöcherte Socken mit Trockenfutter in der Wohnung.  Mittlerweile sind auch Stückchen von getrocknetem Pansen "in", da vergißt sie die Welt...oder diese Bälle, in denen man Futter verstecken kann. Als ich mal ein Tonband mitlaufen ließ, war nur das Geknurpsel von
Trockenfutter drauf, sonst war Ruhe. Ich nehme an, dass Maya genau das tut, was sie vormittags immer tut: gemütlich schlafen! Wenn ich heimkam, schlurfte mir meist ein gerade aufgewachter Hund entgegen.
Allerdings muss ich einräumen, dass ein Läufer und eine Kokosmatte das Zeitliche gesegnet haben, aber das war die Arbeit von drei Tagen, mal so zwischendurch. Beides wurde entsorgt und die Anzahl kaufähigen Gutes erhöht.
Mittlerweile sind wir bei viereinhalb Stunden des Alleinbleibens angekommen
und sehr stolz! Ich glaube, das Problem mit dem Alleinbleiben hatte in erster Linie ICH!

Es ist ja nicht nur so, dass in einer Etagenwohnung das Bellen und Weinen eines alleingelassenen Hundes ein akustisches Problem für die Nachbarn darstellen würde - wobei ich mir da auch spannende Szenen vorstellen kann - sondern dann hätte der Hund ja ein gravierendes Problem, welches gelöst
werden müßte.

Ich hatte zu diesem Zweck meine TA befragt, die mir auf Wunsch Adressen von Ex-Hundehaltern vermittelt hätte, die zwar aus Altersgründen kein eigenes Tier mehr haben wollten, die sich aber einen Pflegehund vorstellen könnten. Auch habe ich Maya den anderen Hausbewohnern sofort vorgestellt und die Sache quasi umgedreht: falls sie einen Laut hören sollten, habe ich sie gebeten, mir SOFORT Bescheid zu sagen, worauf sie meinten, so ein süßer Hund würde sie sowieso nicht stören und wenn was wäre, würden sie auch auf ihn aufpassen.
Auch wenn das schnell mal gesagt ist, es war ein guter Anfang!

Mittlerweile bin ich dabei, mir eine Hundesitterin zu suchen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein, denn es kann sich ja immer mal die Situation ergeben, dass mehr als nur der Vormittag zu überbrücken ist (Kind im Schullandheim, mehrtägige Dienstreisen etc. wären noch die positiven Dinge, die mir da einfallen).

Letzte Woche trat sofort ein gefürchteter Zwischenfall ein, als ich um zwölf die Tür aufschloss und Maya mir röchelnd entgegen kam (beginnende Halsentzündung). Durch einen Besuch der Tierklinik und Trostschmusen verlängerte sich meine Mittagspause auf ungebührliche drei Stunden (schluck!), aber dank Gleitzeit konnte ich  bis abends halbsieben nacharbeiten.

Zur Zeit verlassen wir nach einem etwas mühevollen Morgenspaziergang (Maya schläft auch bis zehn, wenn es sich ergibt!) und halbacht das Haus, und ich komme um zwölf, also in meiner Mittagspause, für ein Stündchen Spiel und Spaziergang nach Hause. Um halbzwei kommt meine Tochter nach Hause. Maya von halbacht bis halbzwei allein zu lassen, bringe ich noch nicht fertig, das erscheint mir einfach zu lange für einen vier Monate alten Welpen. Ich will ja auch die bisherigen guten Ergebnisse nicht gefährden!

Die Hauptaktivitätsphase scheint mir sowieso die Zeit von mittags zwei bis abends halbelf zu sein, denn da ist Maya in Hochform. Auch am Wochenende verschläft Maya die meiste Zeit des Vormittags, trotz unserer Anwesenheit. Insofern bin ich etwas beruhigt und habe nicht mehr so ein schlechtes Gewissen. Man liest ja doch so einiges über die bösen berufstätigen Hundehalter...aber ich habe mich immer schon gefragt, ob denn wirklich alle Hundehalter aus Müttern, Freiberuflern mit Außendienst und Pensionären bestehen  ;-)))  das kann doch gar nicht sein!

In unserer Anwesenheitszeit beschäftigen wir uns intensiv mit Maya, was auch Hundeschule und Clickertraining (findet sie ganz klasse!), aber auch viele Schmuseschläfchen und Kuschelstündchen einschließt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich es gewagt habe, mir jetzt schon einen Hund anzuschaffen und nicht noch zwanzig Jahre damit zu warten,  und dass wir bisher so erfolgreich waren!

Vera Harris

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