Ich glaube leider auch nach diesen Beiträgen noch immer, dass volle Berufstätigkeit nicht gut mit Hundehaltung zusammen passt.

Ich sehe große Probleme, wenn nicht eine dem Hund bereits bekannte Sitter-Adresse, eine Schwieger- oder Großmutter oder andere Verwandte und Bekannte den oder die Hunde gut kennt und jederzeit zumindest einspringt, wenn der Hund mal krank ist. Schwierig sind zum Beispiel Tage, wo der Hund nur irgendwie nicht gut drauf ist und noch gut beobachtet werden muss, ob und was er nun haben könnte. Wer kann da ruhig zur Arbeit gehen? Und was ist, wenn Dienstreisen, Konferenzen, Sitzungen angesagt sind? Wenn mal nicht eben in der Mittagspause schnell nach Hause gesprintet werden kann? Und ist das schön für den Hund, wenn der Mensch nur eben mal schnell kommt, spazieren geht und gleich wieder weg muss? Deswegen erscheint es mir dann sinnvoller, sich "einen Hund zu teilen", so dass er tagsüber eine ebenso geliebte und bekannte Adresse hat wie abends und am Wochenende.

Sehr interessant an den Beiträgen finde ich die Frage: was passiert "danach"? Ist die menschliche Freizeit hundegerecht? Was ist eigentlich hundegerecht? Sollte der Mensch, wenn er da ist, immer für den Hund und nur für den Hund da sein?

Dazu meine Erfahrungen: Zuerst die Situation. Ich arbeite. Ich habe zwei Chis. Aber ich bin meine eigene Chefin, hab mein Büro (ohne Laufkundschaft) in meiner Wohnung. Und ich arbeite je nach Arbeitsvolumen mal viel, mal wenig, mal gar nicht. Natürlich ist das herrlich für mich, all die Berufstätigkeitsprobleme hab ich nicht. Und für die Hunde, wenn sie immer in ihrer gewohnten Umgebung bei mir sein können. Sie sorgen dafür, dass ich jede Arbeit unterbreche, wenn Zeit ist für eine Pause. So komme ich regelmäßig vom Computer weg und die Hunde zu ihrem Recht. Als sie noch klein waren, konnten sie mich auch oft zu einem kleinen Spielchen zwischendurch überreden. Aber da beginnt es dann: Die Hunde richten schnell von sich aus meine Arbeitszeiten zu Ruhezeiten ein. Selten noch springen sie mal zwischendurch in der Wohnung herum. Sie holen sich ihr Wasser, suchen sich einen Sonnenplatz, mal etwas zum kauen und schlafen ansonsten hauptsächlich in ihrem Körbchen unterm Schreibtisch. Sie wissen, dass ich da sein kann, ohne dass sie im Mittelpunkt stehen. Und wenn ich zur Pause oder zum Feierabend aufrufe, sind sie sofort bereit und einverstanden. Vormittags und nachmittags, abends und an Wochenenden.

Was ist hundegerecht? Wenn sie Aufmerksamkeit bekommen, wenn es dem Hund passt oder wenn es dem Menschen passt? Ist es hundegerechter, wenn der Mensch immer für den Hund zum Spielen da ist, wenn er da ist? Meine Freundin hat die Erfahrung gemacht, als sie sich auch selbständig machte, dass ihre Hunde zunächst ganz verunsichert waren. Sie ist da? Sie bleibt da? Was ist denn nun los? Wann geht sie denn endlich? Wann können wir in Ruhe schlafen? Sie kannten die Anwesenheit des Menschen nur in Zeiten, wo es dann auch vordringlich um Hundebedürfnisse geht. Ständige Aufmerksamkeit beiderseits. Es hat einige Zeit gedauert, bis sie in der Lage waren, sich schlafen zu legen, wenn Computerarbeit angesagt war, und nicht zu drängeln, zu fiepen, um Aufmerksamkeit betteln, weil das doch früher angesagt war, wenn der Mensch zu Hause war.

Und noch etwas: Das Alleinsein. Meine Hunde lernen nicht, allein zu sein. Ich bin ja immer da. Es kostet mich große psychische Mühe, zumindest einmal in der Woche Lebensmittel zu kaufen, weil ich sie dazu nicht mitnehmen kann. Es ist schlimm, wenn ich mal zum Arzt muss, dann nehme ich Zeiten, in denen sie wenigstens die Nachbarschaft nicht so stören. Denn obwohl ich alle möglichen Tricks versucht habe, es bellt immer eine, wenn ich nicht da bin. (Und die Hunde meiner Freundin, die gut allein sein können, stimmen seither ein großes Wolfsbegrüßungsgeheul an, sobald sie das Auto hören [leider auch, wenn es mal ein anderes Auto ist, was vorm Haus hält]). So nehme ich meine Hunde mit, wann immer möglich, was sie auch sehr lieben. Aber das sind dann auch mal Situationen, in denen ich ihnen gar nicht viel "hundegerechtes" bieten kann.

Dieses ständige Miteinander führt wohl dazu, dass die Hunde psychisch sehr abhängig von mir werden.Oder sind sie das sowieso?
Barbara mit VicKimura 

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