Mai
Die nächste grosse Bewährungsprobe für sie ist das Chi-Treffen Anfang Mai im Odenwald. Sie reagiert mit leichter Unsicherheit auf meine „Packaktion“. Wir reisen am Mittwoch an, treffen dort als erstes auf Dario, einen Chi-Rüden, am Abend kommen Vicki und Kimura an, die Osiris schon kennt. Keine massiven Probleme.

Beim ersten Abendessen im Restaurant ist kein Tisch mit einer Bank frei, so liegen die vier unter dem Tisch in ihren Taschen, während ich Osiris lieber im Bauchsack lasse.

Als das Essen serviert wird, kommt ihr Kopf hoch, sie schnappt nach rechts und links, dem Geruch nach, plötzlich verbeisst sie sich in meinen Unterarm, lässt aber los, als sie bemerkt, das ist nicht das Fleisch, das so lecker riecht. Schmerzhafte Angelegenheit !

Am Donnerstag haben wir einen passenden Tisch mit Bank, Finger und Arm von mir sind ausser Gefahr.

Am Wochenende – nun sind ca. 25 Leute und 50 Chis versammelt, bleibt sie bis auf Ausnahmen bei Spaziergängen im Bauchsack. Zum Abendessen – wir haben im Restaurant einen Saal gemietet, lege ich sie mit den anderen in einen grossen Kuschelkorb. Sie fühlt sich dort in Gegenwart der anderen wohl, es gibt keine Probleme mit ihr.

Hier beobachten wir erstmals ein ganz spezielles Verhalten des Rudels zu Osiris in fremder Umgebung. Es kommen natürlich auch andere Hunde an dem Kuschelkorb vorbei (insbesondere Rüden, die weitaus unternehmungslustiger als all die Madels sind. Unser vier nehmen zwar Kontakt auf, aber sobald sich ein Hund der im Korb liegenden Osiris nähert, bilden sie eine Phalanx und beschützen sie !

Ich bin einfach nur stolz auf unsere Bande, die dort den Namen“ Tortencrew“ erhält. Dieses Verhalten der vier gegenüber Osiris beobachte ich immer wieder, wenn wir unterwegs sind.

Osiris ist trotz ihrer Behinderung im Rudel integriert.

In uns festigt sich mehr und mehr der Eindruck, dass Osiris hauptsächlich in einer „eigenen Welt“ lebt, sie bekommt vieles nicht oder sehr spät mit, reagiert kaum auf ihren Namen, nimmt äussere Einflüsse erst sehr spät oder gar nicht wahr.

Allerdings macht sie keineswegs einen unglücklichen Eindruck, hat offensichtlich keine Schmerzen.

Sie kennt aber nun die Essenszeiten, reagiert auf diverse Geräusche aus der Küche, auch die abendliche Wurstration.

Ist sie im Rucksack verstaut, so meldet sie sich durch massives strampeln, wenn sie ihr Geschäft machen muss.

Da sie immer Probleme hat, den Teller richtig zu finden, sinne ich auf laufend auf Verbesserung. Findet sie ihr essen auf dem Teller nicht, wird sie nervös. Ist sie nervös, läuft sie rückwärts.

Das heisst für mich, sie oft am anderen Ende der Küche unter Stühlen oder gar der Heizung herauszuholen. Anfangs stelle ich ihr eine Tasche hinter den Po, was eine gewisse Erleichterung bringt.
Eines Tages die Erleuchtung:

Ich nehme einen dieser klappbaren Einkaufskörbe, unten kommt ein Fleckerteppich rein, darauf ein Handtuch. Dort stelle ich ihren Teller rein und sie kann nicht auskommen, sie schmeisst aber leider dauernd den Teller um, der auch für sie zu tief steht.

Die weitere Idee: Eine Plastikschüssel, gefüllt mit 3 grossen Kieselsteinen, darauf passend einen speziellen Hundeteller mit Vertiefung, der genau auf die Plastikschüssel passt.
Das funkt  Sie hat nun einen erhöhten Eßtisch im eigenen transportablen Eßzimmer.

Chunga (immer verfressen) und Kaya (neugierig) haben schnell raus, was Sache ist. Plötzlich stehen sie neben Osiris in ihrem Eßzimmer. Das Kommando „raus da“ mit einer entsprechenden Handbewegung koordiniert, und sie wissen nach 2 Tagen: verbotenes Terrain, solange Osiris da drin ist. Sobald sie aufgegessen hat und ich sie heraussetze, dürfen sie zum sauberputzen reinspringen.

Ganz besonders liebt sie die abendlichen Kuscheleinheiten auf der Couch, später im Bett. Sie sucht im Bett ganz gezielt die Nähe, will intensiv den Körperkontakt

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