Beispiel eines weiteren Züchters:

Gerne nehme ich zur o.g. Problematik Stellung, ein sicherlich brisantes Thema, zu der ein Züchter, der sich irgendwie emotional mit seinen Hunden verbunden fühlt im Grunde ein ambivalentes Verhältnis haben muss.
Wenn ein Hund eine Zeit lang bei uns lebte, kann man sich einfach nicht vorstellen, dass es ihm woanders besser gehen könnte, ich glaube, das ist eine absolut menschliche Vorstellung, zumindest, wenn wie gesagt, Emotionen eine Rolle spielen. Tierliebe und Eigenliebe
sind halt nicht immer so einfach voneinander zu trennen. Generell aber denke ich, wenn ich es nüchtern sachlich betrachte, das es einem Hund, der als normaler Familienhund gehalten wird, immer besser geht, als dem Hund, der beim Züchter gehalten wird, egal, wie sehr der Züchter sich bemüht. Ich versuche das mal zunächst rein mathematisch-logisch zu begründen. Bei uns leben insgesamt knapp 20 Hunde, einschließlich Zuchtrentnern und Jungtieren. Außerdem leben hier zwei Menschen, meine Frau und ich. Das macht, wie gesagt, rein mathematisch für jeden Hund 10% menschliche Zuwendung, kein guter Wert. Bei einer Familie mit drei Menschen und drei Hunden kommt jeder Hund schon auf 100 %. Lebt ein Hund in einer Familie mit Eltern und zwei Kindern, kann er sich schon über 400 % menschlicher Zuwendung freuen. Wie gesagt, das ist eine rein statistische Betrachtungsweise, die sicher nicht uneingeschränkt zutrifft, aber die Rahmenbedingungen, denen Zuchttiere ausgesetzt sind, deutlich macht.
Weniger nüchtern betrachtet gibt es jedoch auch gute Gründe, sich von ehemaligen Zuchttieren zu trennen, die ich gerne am Beispiel unseres Joop veranschaulichen möchte.

Joop
Im Jahr 1998 entschieden wir uns züchterisch gegen ihn, wollten ihn jedoch bei uns
behalten, er war ja immerhin unser erster Hund. Nach zwei Hitzeperioden mussten wir jedoch feststellen, dass es im Grunde Tierquälerei ist, als Züchter einen Rüden zu halten, der Deckerfahrung hat, aber nicht mehr decken darf. Also entschieden wir uns, einen guten Platz für ihn zu finden.
Er kam zu einem alleinstehenden Geschäftsmann, dem einige Tage zuvor der Chihuahua gestorben war, und der es gewohnt war, alles für seinen Hund zu tun. Zum Zeitpunkt der Abgabe ahnten wir nicht, was "alles" bedeuten sollte....
Zwei Wochen später rief ich den Mann an, und erkundigte mich nach dem rechten. Er sagte alles, sei soweit in Ordnung, der Hund sei etwas wählerisch mit dem Fressen, aber die Problem habe er mit Spezialfutter für ernährungssensible Hunde gelöst( etwa viermal so teuer wie normales Futter, was er vorher bei uns gefressen hatte) Nur mit dem neuen Auto käme der Hund nicht zurecht, erhabe seit einigen Tagen einen neuen Porsche, aber da der Hund das Auto nicht mag, möge er das Auto nun auch nicht mehr und würde es wieder verkaufen.
Eine Woche später fuhr er wieder ein Auto seiner vorherigen Marke und der Hund war wieder zufrieden.
Die Erfahrungen, die wir hier machten, öffneten uns erst drn Blick dafür, dass trotz aller Zuwendung, die unsere Hunde erhalten, das Hundeparadies wohl doch woanders sein muss, offensichtlich lässt sich jede "Verrücktheit" in Bezug auf die Hunde doch noch irgendwie toppen.....

Was jedoch für uns von grösster Bedeutung ist, wenn wir Hunde abgeben, egal ob Jungtiere oder Erwachsene, der Hund muss zu seinem zukünftigen Menschen "ja" sagen, tut er das nicht, kann dieser Mensch diesen Hund nicht bekommen. Da Welpen und Jungtiere im
allgemeinen etwas offener neuen Situationen und neuen Menschen gegenüber sind, als Erwachsene, ist der Blick auf denjenigen, der eine erwachsenen Hund bekommt,
automatisch deutlich kritischer. Folglich bleiben erwachsene Hunde doch mit grösserer Wahrscheinlichkeit bei uns, als Welpen, aber das ist für uns auch o.k. Letztlich soll sich der Hund wohlfühlen, und wenn er das mit 10 % menschlicher Zuwendung tut - dann bleibt
er eben hier.
Es zeigt sich also, es gibt viele Facetten dieser Problematik, und es gibt dabei wohl keine Wahrheit

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