Die Patellaluxation des Hundes

Anmeldung-Registrierung

Anmelden oder registrieren

  • Die Patellaluxation, also das Herausrutschen der Kniescheibe aus der Gleitrinne tritt vor allem bei Zwerghunderassen auf.
    Es gibt jedoch durchaus auch Großhunderassen, die betroffen sind.
    Bei Zwergrassen rutscht die Kniescheibe in der Mehrzahl der Fälle nach innen (medial) bei großen Hunderassen eher nach außen (lateral) .
    Sehr wahrscheinlich ist eine genetische Komponente dafür verantwortlich. Eine allgemeine Bindegewebsschwäche kann durchaus mitverantwortlich sein.
    Alters- und rasseunabhängig ist die Luxation der Kniescheibe durch starke äußere Gewalteinwirkung wie einen Unfall. Um die Kniescheibe aus ihrer vorgesehen Position zu bewegen, benötigt es eine starke Dehnung der Seitenbänder des Gelenkes.


    Die Faktoren Körpermasse und Kastrationsstatus haben einen signifikanten Einfluss. Kastrierte Tiere haben eine 3,10 fach höhere Erkrankungschance. Mit jedem zusätzlichem Lebensjahr steigt die Erkrankungschance um das 1,10 fache. Das Geschlecht hat keinen besonderen Einfluss.
    (Quelle: B. Vidoni, I. Sommerfeld-Stur und E. Eisenmenger (2005): Diagnostische und züchterische Aspekte der Patellaluxation bei Klein und Zwerghunderassen in Österreich., Wien. Tierärztl.Monatsschr., 92, 170-181)


    Ebenso ist Übergewicht unbedingt zu vermeiden. Bei Welpen/Junghunden sollte eine Überlastung der Gelenke unbedingt vermieden werden, also bitte keine stundenlangen strammen Märsche mit einem Welpen, wenige bis keine Treppen laufen lassen, vor Couch und Bett Sprunghilfen stellen, ganz besonders, wenn sich davor glatte Böden wie Parkett befinden.



    Ursachen für PL


    In vielen Fällen ist die Gleitrinne nicht tief genug ausgebildet, so dass sie nicht mehr in ausreichendem Maße als Führungsschiene der Kniescheibe fungieren kann.
    Auch Abweichungen in der Knochenachse zwischen Ober- und Unterschenkel und ein nach medial verschobener Ansatz der Patellarsehne können dazu beitragen. Das Kniegelenk des Hundes besteht aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula).
    Die Kniescheibe (Patella) ist im Verlauf der Endsehne der Streckmuskulatur (Quadrizepsmuskulatur) eingelagert und gleitet in der Knochenrinne des Oberschenkelknochens. Die Endsehne der Streckmuskulatur setzt am vorderen Rand des Schienbeins (Tuberositas tibiae) an und sollte einen vertikalen Verlauf haben.
    Weitere Bestandteile des Kniegelenkes sind die Menisken und dieSeitenbänder. Bei Hunden, deren Kniescheibe fest in ihrer Position in der Gleitrinne liegt und nur durch Druck vorübergehend luxiert werden kann, werden in der Regel keine Lahmheiten beobachtet, so dass diese auch keiner Therapie bedürfen.
    Luxiert die Kniescheibe jedoch spontan während der Bewegung aus der Gleitrinne, können möglicherweise durch das Reiben der Gelenkknorpel aufeinander mit der Zeit Gelenksentzündungen und Knorpelschäden entstehen, die dann auch zu Lahmheiten führen.
    Häufig halten die Tiere das Bein während einiger Schritte plötzlich hoch. Dabei befindet sich die Kniescheibe außerhalb der Gleitrinne. Springt die Kniescheibe in ihre normale Position zurück, wird das Bein wieder normal belastet.


    Die Patellaluxation (also die lockere Kniescheibe) kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, es werden vier Grade unterschieden.


    Patellaluxation Grad I:
    Die Patella luxiert bei der normalen Gelenkbewegung nur selten, kann jedoch manuell aus der Gelenkrinne gedrückt werden.


    Patellaluxation Grad II:
    Die Patella luxiert bei normaler Bewegung häufiger und kann schon mit einem geringradigem Druck oder bei Beugung des Kniegelenks aus der Gelenkrinne gedrückt werden.


    Patellaluxation Grad III:
    Die meiste Zeit verbleibt die Patella luxiert auf der medialen (inneren) Seite. Manuell kann sie in ihre physiologische Stellung gedrückt werden, springt aber bei Beugung oder Streckung des Gelenks von alleine wieder aus der Gelenkrinne.


    Patellaluxation Grad IV:
    Die Patella ist permanent luxiert


    Festgestellt wird der Grad der PL durch Palpation (Bewegung in verschiedenen Richtungen) im stehen und liegen und zusätzlicher Beobachtung des Laufbildes durch einen speziell dafür ausgebildeten Tierarzt.
    Bitte keinesfalls selber permanent an der Kniescheibe drücken oder dies von anderen Tierhaltern machen lassen, die behaupten Ahnung zu haben !



    Röntgenaufnahmen werden meist erst vor der Operation gemacht und dementsprechend das genaue Operationsverfahren festgelegt.
    Es kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, ab welchem Grad der PL eine Operation unumgänglich ist.
    Es gibt durchaus Hunde mit PL 3 oder PL 4, die lebenslang schmerz- und beschwerdefrei sind, eine Operation also nicht notwendig ist.


    Die Operationstechniken
    Abhängig vom Grad der Patellaluxation, des Alters des Patienten und der Rassewerden die Therapiemethoden gewählt, die meist kombiniert werden.
    In den meisten Fällen muss die Gleitrinne vertieft werden, damit die Patella nichtmehr über deren Rand rutschen kann.
    Dies erfolgt mit der Keilresektionsosteotomie:
    Ein Knorpel-Knochen-Keil wird aus der Mitte des Sulcus trochlearis (Gleitrinne) mitHilfe einer oszillierenden Säge entfernt. Anschließend wird am Rand desentnommenen Keils etwas Knochen entfernt, um die Gleitrinne zu vertiefen und das Knorpel-Knochen-Stück wieder eingesetzt. Dieses sitzt nun tiefer, so dass die seitliche Begrenzung der Rinne höher ist. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Keil nicht befestigt werden muss, allein durch den Druck der Patella auf den Keil wird er in seiner Position fixiert. Der Knorpel der Gelenkfläche bleibt erhalten.


    Häufig liegt die Ansatzstelle des Kniescheibenbandes zu weit medial (innen) amSchienbein (Tuberositas tibiae), so dass der Verlauf des Bandes nicht vertikal verläuft, sondern einen schrägen Verlauf aufweist, wodurch das Band die Patella aus der Gleitrinne zieht.
    In einem solchen Fall erfolgt eine Transposition der Tuberositas tibiae nach lateral(aussen). Dabei wird die Tuberositas tibiae, an der das Kniescheibenband ansetzt, partiell abgetrennt und nach aussen versetzt. Mit Hilfe von Bohrdrähten wird der Knochenansatz in seiner neuen Position fixiert. Zusätzlich erfolgt eine Raffung der Gelenkkapsel an der lateralen (äusseren) Seiteund eine laterale Fasciendopplung um die Patella in ihrer physiologischen Positionzu fixieren und das Gelenk zu stabilisieren.


    Persönliche Erfahrungen


    Ich hatte eine Hündin, die ich mit 2,5 Jahren übernommen habe. Lt. Aussage der Züchterin mit schwerer PL.
    Anfangs schlottere das linke Hinterbein regelrecht, sie knickte ab und an ein. Ich habe sie von einem dafür qualifiziertem TA untersuchen lassen, der PL 4 diagnostizierte. Lt. Dessen Aussage sollte ich sie sofort operieren lassen, zudem kastrieren, da bekanntermaßen während der Läufigkeit das Bindegewebe schwächer wird.


    Ich habe mir daraufhin eine weitere Meinung eingeholt, dieser TA riet von einer sofortigen Operation ab, empfahl weiterhin Muskelaufbau und lehnte eine Kastration ab. Nach einigen Monaten hatte sie durch regelmäßigen Auslauf eine hervorragende Muskulatur aufgebaut, das Bein stand stabil und die PL war nur noch während der Läufigkeit zu bemerken.


    Einige Jahre später habe sie aufgrund des Verdachtes auf Kreuzbandriss wieder einem Spezialisten vorgestellt. Glücklicherweise war es nur eine Zerrung. Allerdings untersuchte er dabei auch sehr gründlich das Kniegelenk, diagnostizierte auch PL Grad 4. Er sagte, da sie damit beschwerdefrei läuft, würde er diesen Hund keinesfalls operieren.
    Chunga hatte übrigens eine allg. Bindegewegsschwäche.


    Ein informatives Video zu dem Thema, indem auch Röntgenaufnahmen gut erklärt werden
    http://www.tiergesundheit-aktu…os/kleintiervideo-461.php


    Weitere informative Links:


    http://kleintierklinik-egelsba…laluxation_des_hundes.pdf
    http://www.kleintiermedizin.ch/hund/patella/index.html

    Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen.
    Ziehen Sie statt dessen doch mal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.
    Edward Hoagland


    Kontakt: eva.kroll@chihuahua.de
    zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin