Calming Signals

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  • Calming Signals - auch Beschwichtigungssignale genannt
    Sind alle von Turid Rugaas so bezeichneten Verhaltensweisen/Signale wirklich welche ?
    Gibt es Fehlinterpretationen ?
    Notizen zum Vortrag von PD Udo Gansloßer am 29.4.2014


    Auch wenn der große Hype um das vor einigen Jahren erschienene Buch von Turid Rugaas mittlerweile wohl vorbei ist, dürfte vielen der Begriff Calming Signals geläufig sein.
    Ca. 30 Signale wurden von Turid Rugaas als CS bezeichnet.


    Ich habe das Buch selber kurz nach Veröffentlichung mit Interesse gelesen und daraufhin mein Rudel noch genauer beobachtet, konnte einiges aus dem Buch bei meinen erkennen, anderes kaum.
    Den Hype, jetzt ständig auch Signale wie gähnen, lippenlecken und dergl. auszusenden, habe ich allerdings nicht mitgemacht.


    Was sind überhaupt bzw. was versteht man unter CS ?


    Von Turid Rugaas wurden ca. 30 Signale von Hunden wie gähnen, urinieren, lecken, lachen, und dergl. so bezeichnet.


    Fakt ist, jeder Hund sendet während einer Kommunikation Signale aus, so u.a. deeskalierende um einen Konflikt zu beenden bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen.


    Die ersten Erfahrungen damit entstehen bereits im Welpenalter, allerdings später als die offensiven Fähigkeiten.
    Bei Wolfswelpen sind sie früher und stärker erkennbar als bei Hundewelpen.


    Im Erbgut sind nur Bewegungsmuster wie ablecken, auf den Rücken legen usw. abgelegt.
    Die situationsrichtige Anwendung steht nicht im Erbgut und muss erlernt werden.
    Der Hund wird nicht mit dem Wissen geboren, er muss derartige Verhaltensweise erst erlernen, also „Learning by doing“.


    Bei Babymorphen Rassen entstehen sie vermutlich noch später bis gar nicht als bei anderen Rassen.
    Möglicherweise hängt dies mit der genetischen Wachstumsbremse bei Zwerg/Kleinrassen zusammen.
    Das ist noch nicht genau erforscht, Studien dazu sind in Arbeit.
    Das bedeutet, dass bei der Erziehung hier besonders der Halter gefordert ist.


    Auch Aggressionsverhalten, Spiel und Dominanzstruktur sind von Rasse zu Rasse sehr unterschiedlich.
    Sozialere Hunde setzen mehr auf Kommunikation mit dem Menschen (z.B. festhalten des Hundes), sie zeigen hier erst entsprechende Signale um loszukommen.
    Nicht so soziale Hunde versuchen sich eher durch Flucht oder wehrhaftes Verhalten zu entziehen.
    Dies ist offensichtlich schon im Gehirn des Welpen angelegt (bezogen auf die Geselligkeit im Wurf untereinander).



    Was ist Kommunikation


    Sender --- > Signal - Empfänger – so erklärt es der Techniker


    Sender - Signal - Empfänger – Reaktion - so erklärt es der Biologe


    Der biologische Sender will beim Empfänger eine Reaktion herbeiführen, die ihm Nutzen bringt, solange keine Reaktion des Empfängers erfolgt, gibt es ein Problem beim Sender


    Grundsätzlich versucht jeder seine eigenen Interessen durchsetzen, es ist also reiner Egoismus


    Submissives Verhalten wie z.B. „Lass mir jetzt meine Ruhe“ wird mit diversen Signalen angezeigt


    Abbruchsignale werden nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben gesendet, begleitet von einer entsprechenden Körperhaltung


    Auch Anspruch auf Futterressourcen kann der Untere durchaus durchsetzen, zeigt in der Gruppe dazu immer Signale, dass er damit nur Anspruch auf diese Ressource, aber keinen Anspruch auf Ranghöhe erhebt.


    Jeder Trainer, aber auch Hundehalter sollte um solche Signale wissen, sie erkennen und entsprechend handeln.


    Wird all das vom Halter regelmäßig unterbunden, kommt es möglicherweise irgendwann zu einer massiven Eskalation.


    Submissives Verhalten ist fast immer freiwillig, allerdings wird vom Sender auch eine Bestätigung/Beruhigung des Empfängers erwartet.
    Es ist eine vorbeugende Handlung, um einen weiteren Konflikt zu vermeiden.


    Pfote/Schnauze/Kopf auf den Menschen oder einen anderen Hund legen sind keine Dominanzgesten, sondern funktionale Signale die der Beschwichtigung dienen.


    Hier sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Versöhnung nach einem Konflikt immens , wichtig für Hunde ist.
    Wird sowohl vom Verlierer gegenüber dem Gewinner als auch umgekehrt gezeigt
    60 % vom Sieger, 40 % vom Unterlegenen, und zwar innerhalb der ersten 5 Minuten nach dem Konflikt gezeigt, z.B. durch Kontaktliegen spielen, anschnuppern, Ohr anstupsen usw.



    Innere Konflikte


    2 Seelen befinden sich in der Brust des Hundes
    Gibt es z. B. einen sozialen Konflikt zwischen Hund und Mensch oder 2 Hunden, fragt sich der Hund natürlich, wie er reagieren soll,
    dies natürlich auch in einer erweiterten Beziehungsstruktur, also einem Rudel.


    Alle Beteiligten tragen also ein Risiko, sowohl Angreifer als auch der andere bei Konflikten


    Wird der Hund vom passiven Stress überwältigt sind als Anzeichen z.B. blasse Schleimhäute und verringerter Muskeltonus zu beobachten.
    Das alles sind ehrliche Reaktionen und kaum zu verbergen.


    Bei echten Übersprungshandlungen blockieren sich beide inneren Antriebe gegenseitig,
    Freezing ist nur bei ganz schwerwiegenden Konflikten zu sehen.
    Beispiel:
    Angriff und Flucht blockieren sich gegenseitig, es kommt z.B. dazu, dass der Hund sich kratzt,
    dieses kratzen ist aber weitaus oberflächlicher als z.B. echtes kratzen, welches bis auf die Haut geht.


    Vorgehensweise der Studien

    Bereits vor einigen Jahren wurde im Rahmen der Studien von Günter Bloch an verwilderten Haushunden in der Toskana (Die Pizza-Hunde) u.a. eine Diplomarbeit von Mira Meyer zum Wahrheitsgehalt von Turid Rugaas Aussagen geschrieben.
    Diese stieß auf ein großes Echo, wurde aber auch von vielen Verfechtern/Anhängern der CS stark angezweifelt.


    Mittlerweile wurde das Thema von einigen Verhaltensforschern in diversen Studien nach der Markov Analyse genauer untersucht.


    Die Markov Analyse funktioniert vereinfacht dargestellt wie folgt:
    Ein grünes Marsmännchen besucht die Erde mit dem Auftrag herauszufinden, in welcher Reihenfolge bzw. was die Menschen im Restaurant zu sich nehmen.
    Es macht daher eine Strichliste der Bestellungen um herauszufinden, ob es Speisen gibt, die häufiger oder seltener als vom Zufall zu erwarten ist, bestellt werden
    Die Liste ergibt nach einiger Zeit:
    - Salat oder Suppe
    - Fleisch oder Fisch
    - Süße Nachspeise


    2 Erkenntnisse lassen sich definieren
    Es gibt Gruppen von Essen, die sich ersetzen lassen, wie z. B. Gulasch durch Schnitzel, Eis durch Pudding
    Welche Anzahl an Menschen beobachtet werden muss, ist abhängig von der Länge der Speisekarte, bei 5-6 Gerichten sind ca. 150 Striche notwendig.


    Je mehr Verhaltensweisen es also gibt (hier im speziellen CS) desto mehr Beobachtungen sind notwendig, daher wurden für die Studien insgesamt nur einige wenige ausgewählt und zwar diejenigen, die bereits von anderen Forschern (Zimen, Feddersen-Petersen) studiert wurden.
    Deren Erkenntnisse/Ergebnisse konnten sozusagen als Eichung in Betracht gezogen werden.


    Es handelt sich um:
    - Pföteln
    - Licking Intention
    - klein machen


    Als sogenannte New-Age-Signale bezeichnet man in der Literatur:
    - Gähnen
    - Urinieren
    - Vorderkörpertiefstellung (VKT)


    Studiert wurde folgendes:
    - Häufigkeit der Verhaltensweise
    - Alleine
    - mit Artgenossen im Umkreis
    - fand es in einer Konfliktsituation statt oder nicht
    - kam es danach zu einer Entspannung oder nicht
    - Konflikt vorhanden – es kommt zum pföteln – Entspannung ja oder nein
    - Konflikt vorhanden – es wird nicht gepfötelt – Entspannung ja oder nein



    Herangezogen / beobachte wurden:
    - Die Toskana Hunde (s. Bloch)
    - Eine Hundepension mit Spielgruppen tagsüber
    - Gehegewölfe in einem Wildpark
    - eine Hundeschulgruppe


    Bei allen Studien hat die Methode funktioniert



    Auswertung der Studien

    Alle drei, die bereits als CS beschrieben waren, wurden damit als CS bestätigt.
    Hauptsächlich in Gruppen mit Hunden, wo vorher schon ein Konflikt vorhanden war, danach waren sie entspannter.


    Die anderen 3 als CS bezeichneten (urinieren, gähnen, VKT ), wurden fast ausschl. gezeigt, wenn die Hunde alleine waren, und keinerlei Konfliktsituation bestand,
    sehr oft gezeigt nach dem aufstehen/aufwachen


    VKT wurde in der Hundeschule dem Menschen gegenüber in Situationen gezeigt, wo sie von diesem vorher zurechtgewiesen worden sind.
    Dies soll noch in einer weiteren Studie untersucht werden.
    VKT ist also in die Beziehung/Kommunikation von Hund zu Mensch übernommen worden aus dem innerartlichen Spielverhalten
    Es kann nicht bestätigt werde, das es sich um CS handelt.


    Hunde werden durch gähnen des Menschen auch zum Gähnen gebracht, allerdings muss der Hund den Menschen auch gähnen hören.
    Es kann durchaus mal als Übersprungshandlung auftreten, ist aber noch nicht ganz abgrenzbar.


    Gähnen - wäre es denn eine Übersprungshandlung - wäre vom normalen Gähnen nicht zu unterscheiden
    Gähnen ist weder ein CS noch hat es eine submissive, deeskalierende Wirkung!


    Wenn nun wir Menschen CS erkennen, was fangen wir damit an, müssen wir auch diese CS zeigen ?
    Bei eigenem oder fremden Hund
    sollten wir nicht mit CS antworten, also das Verhalten spiegeln sondern einen Plan (besonders beim eigenen Hund) haben und ihm helfen.
    Bei fremden Hund erwartet dieser nicht genau dieses CS zurück.
    Denn wenn ich signalisiere, ich habe auch keinen Plan, kann es dumm ausgehen.



    Weitere Ergebnisse

    Lachen hat der Hund eindeutig im Zusammenleben vom Menschen übernommen
    Spielen wir mit dem Hund und
    Hund lacht –-> der Hund hat uns vermenschlicht
    Hund zeigt VKT –-> er hat uns verhundlicht



    Anmerkung:
    Allgemein werden Hunde ihren Besitzer nie als Rudelführer anerkennen, wenn dieser sie nur belohnt und/oder beschwichtigt und sie nie in ihre Schranken verweist - und damit ist nicht die Anwendung von Gewalt gemeint.
    Ein Hund ist ein Rudeltier und braucht klare Regeln, die ihm in den meisten Fällen nicht durch Beschwichtigungen seines Besitzers verständlich gemacht werden können. (Mira Meyer)


    Damit es unseren Hunden gelingt, sich uns verständlich zu machen, müssen wir lernen ihre Kommunikationssignale zu erkennen und richtig zu deuten.
    Denn eine nicht adäquate Mensch-Hunde-Kommunikation führt häufig zu fehlerhafter Verhaltensentwicklung des Hundes (Feddersen-Petersen).


    Jeder Hundehalter sollte sich deshalb mit dem Ausdruckverhalten seines Hundes beschäftigen, um einer gestörten Verhaltensentwicklung des Hundes entgegen zu wirken (Mira Meyer)


    Literatur:
    Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde – Turid Rugaas
    Calming Signals – Workbook – Clarissa v. Reinhard/Martina Scholz
    Die Pizza-Hunde – Günter Bloch
    Die Beschwichtigungssignale der Hunde - Diplomarbeit Mira Meyer, 2006

    Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen.
    Ziehen Sie statt dessen doch mal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.
    Edward Hoagland


    Kontakt: eva.kroll@chihuahua.de
    zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin