Was tun wenn kastriert? Schadensbegrenzung nach der Kastration.

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  • Nach dem deutschen Tierschutzgesetz und deren Ausführungsbestimmungen, ist es verboten einen Hund ohne medizinische Indikation zu kastrieren!
    Eine ungewollte Vermehrung ist durch den Halter leicht zu unterbinden.


    Mit welchen Änderungen im Verhalten und der Gesundheit muss man nach einer Kastration rechnen?
    Wie kann man dem gegensteuern?


    Sexualhormone
    - Östrogen und Progesteron (Schwangerschaftshormon) sind die weiblichen Sexualhormone.
    - Testosteron ist das männliche Sexualhormon, kommt aber auch im weiblichen Körper vor.


    Sexualhormone greifen in viele Körperfunktionen ein.


    Bei Wegfall der Sexualhormone kommt es zu Stoffwechseländerungen.


    Störung des Energiestoffwechsels, besonders der Fette.
    - Der Energiestoffwechsel in und zu den Mitochondrien ist verlangsamt.
    ... Folge; der Hund wird fülliger.
    - Der Energiebedarf des Grundstoffwechsels ist um ca. 30% verringert.
    - Die Grundspannung der Muskulatur lässt nach
    ... Folge; geringere Wärmeproduktion


    Mit entsprechender Ernährung kann man dem entgegen steuern.
    - Mit Seniorenfutter
    - Hochwertiges und leicht verdauliches Eiweiß verfüttern.
    ... Die Menge aber nicht erhöhen wegen Darm-, Leber- und Nierenproblemen die bei zu hoher Gabe von Eiweiß auftreten können.
    ... Hochwertiges Eiweiß ist in Fisch, Hühnerfleisch, Putenfleisch und Lamm enthalten.
    - Gute Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren (in entsprechenden verschiedenen Ölen enthalten).
    - Versorgung mit Vitamin C und E.
    ... Omega-3 Fettsäuren und Vitamine haben eine Schutzfunktion für Nervenfasern, Gehirnzellen und Gehirnfunktionen.


    Sexualhormone schützen vor Gehirndegenerationen, z.B. Alzheimer.


    Testosteron


    Testosteron gibt den "Startschuss" für
    - Thyroxin (Schilddrüsenhormon)
    - Nervenwachstumshormone
    - Wachstumshormone
    - viele andere Botenstoffe


    Testosteron ist wichtig für die körperliche Reifung (Knochen, Muskulatur usw.).
    Durch Testosteron wird der qualitative (nicht die Größe und Zahl) Aufbau und Umbau der Herz- und Atmungsmuskulatur gestartet.


    In der Pubertät werden die Gelenke, Gelenksflächen und Wachstumsfugen umkonstruiert.


    Bei einer Kastration vor der Pubertät werden das Längen- und Breitenwachstum eingeschränkt.
    Nach einer Kastration vor der Pubertät muss man die Druck- und Zugkräfte in allen 3 Raumdimensionen fördern.


    Folgendes gilt für beide Geschlechter, Rüden sind aber prädisponiert.
    Durch das Testosteron nehmen die Bindungsstellen in den Muskeln, das Bindegewebe und den Knochen mehr Mineralien und Nährstoffe auf.
    Ein Mangel führt zu einem mangelhaften Knochen- und Muskelaufbau.


    Durch entsprechenden Muskelaufbau, z.B. Bewegungstraining und Schwimmen, kann man dem entgegensteuern.
    Am besten von einem Physiotherapeuten beraten lassen.


    Testosteron ist verantwortlich für ein 3 dimensionales elastisches Bindegewebe.
    Dieses betrifft auch Rüden die spät kastriert werden.
    Östrogen arbeitet nicht so.


    Gegenwirken durch Dehnungsübungen und eventl. Cavallettitraining. Ist auch angebracht bei unkastrierten Senioren.



    Fell


    An den Haarwurzeln gibt es Rezeptoren für Sexualhormone.
    Testosteron aktiviert und regt die Talgproduktion an.
    Bei fehlenden Sexualhormonen kann es zu stumpfen und/oder brüchigen Haaren kommen.
    Verringern kann man dieses Phänomen durch Massage der Talgdrüsen.


    Kommt es nach einer Kastration zu Welpenfell, kann man dagegen nichts unternehmen.


    Nicht zu verhindern ist bei Hündinnen durch den Östrogenverlust wenn sie büschelwiese Haare verlieren.


    Bei spätkastrierten Hündinnen kann es zu vermehrten Fellwachstum kommen.
    Verursacht durch das Testosteron und das fehlende Östrogen (beim Menschen kommt es zu dem "Damenbart").



    Verhaltensauswirkungen


    In welchem Alter wurde Kastration vorgenommen?


    Vor dem abklingen, schlimmer noch vor dem Eintreten der Pubertät.


    Exekutivfunktion des Gehirns..
    - Das Limbisches System ist zuständig für emotionales Verhalten.
    - Die Großhirnrinde ist zuständig für bewusstes, kontrolliertes und rationales Verhalten (z.B. Aggressionskontrolle).
    - Die Großhirnrinde beeinflusst das Limbische System.


    Während der Pubertät werden Regionen der Großhirnrinde "spezialisiert" und der Einfluss des Limbischen Systems wird kontrolliert.
    Der Hund wird berechenbarer.


    Der Schaltplan für diesen Umbau wird nur in der Pubertät aktiviert!


    Maßnahmen:
    Angst, Panik und Stress muss mit entsprechendem Training angegangen werden.
    Eine "Baustelle" nach der anderen abarbeiten.
    Hund nicht überfordern, sonst kann der "Schuss" nach hinten losgehen.
    Er reagiert noch mehr emotional (Rückverlagerung ins Limbische System).

    Innerhalb des Großhirns findet während der Pubertät ein Umbau statt (Neuverknüpfungen und Spezialisierungen).
    Durch die Kastration vor Abschluss der Pubertät fällt dieser Umbau fort bzw. wird nicht vollendet.


    Therapie:
    Bestimmte Aufgaben stellen, immer und immer wieder bis der Automatismus einsetzt.
    Regelmäßige Wiederholung festigt und stärkt die Nervenverknüpfung.
    Am besten von einem kompetenten Hundetrainer beraten lassen.


    Die Aufmerksamkeitsspanne ist in der Pubertät kurz.
    Die Lernbereitschaft ist davon nicht betroffen.



    Schutzfunktion der Sexualhormone für das Gehirn


    Die Sexualhormone
    - Beeinflussen die Qualität der Markscheiden
    - Schützen vor freien Radikalen
    - Vermindern das Risiko einer Demenzerkrankung


    Zur Vorbeugung bzw. hinauszögern einer Demenz empfiehlt sich eine Kombination von
    - Suchen und verstecken
    - Gegenstanderkennung
    - Gedächtnistraining
    Das Training muss lustbetont sein und Spaß machen
    .


    Bei kastrierten Hunden kann die Bindungsfähigkeit abnehmen!



    Stress


    Verschiedene Hormone dämpfen den Stress
    Die wichtigsten sind Serotonin und Oxytocin.
    - Serotonin wirkt stressdämpfend, antidepressiv und stimmungsaufhellend. Es kann aber auch aggressiv machen.
    - Oxytocin ist das Bindungshormon (sozialer Kleber), schafft Vertrauen, stärkt bzw. bewirkt die Bindung und senkt den Stresshormonspiegel


    Cortisol ist neben dem Adrenalin ein Stresshormon.


    Cortisol wird auch als Kontrollverlusthormon bezeichnet.
    Es unterdrückt das Immunsystem verhindert in hoher Konzentration die Gedächnisbildung und den Zugriff auf das Gedächtnis,
    macht unterwürfig und depressiv. Es senkt den Spiegel der Sexualhormone. Die Angst- und Futteraggression, die Angst vor Fremden wird erhöht.


    Adrenalin wird auch als Fluchthormon bezeichnet.
    Es erhöht den Cortisolspiegel, den Blutdruck, die Herztätigkeit und die Atmung, verstärkt die Blutgerinnung und aktiviert den Zellstoffwechsel. Hat keine Wirkung auf die Sexualhormone.


    Nach einer Kastration müssen die Gegenspieler des Cortisol verstärkt werden.


    Therapie:
    Durch einen Bindungsaufbau wird das Oxytocinsystem gestärkt.
    Der Mensch muss eine sichere Basis sein und Krisen erkennen und bewältigen sowie Gefahren abwehren.
    Massage und Zärtlichkeiten stärken die Bindung.

    Das Serotonin dient der Affektkontrolle.


    Positive Affektkontrolle
    - Hund entspannen
    - Die Serotoninproduktion kann durch Nahrungsergänzung mit Tryptopan (Aminosäure, Grundsubstanz der Serotoninbildung).
    - Tryptopan ist in Lamm und erhitztem Schweinefleisch enthalten.
    - Mit Pillen vorsichtig sein. Die Exekutivfunktionen im Großhirn können nicht genug aufgeteilt werden, im Verhältnis zum Limbischen System.
    - Pheromone und/oder Aromatherapie können eventl. unterstützend wirken.


    Schlussbemerkungen:
    Die Leinen- und Futteraggression nimmt bei vielen Kastraten zu.
    Das Jagdverhalten kann sich verstärken, da die Sexualhormone das Jagdverhalten dämpfen.
    Die Anfälligkeit für eine Schilddrüsenunterfunktion ist um das 3-Fache erhöht.
    Eine erhöhte Anfälligkeit für Autoimmunkrankheiten ist ebenfalls gegeben.
    Frühkastrierte Hunde sind anfälliger für Gelenkserkrankungen (z.B. Arthrose).
    Herzschwäche und Kreislaufprobleme sind bei Frühkastrierten häufiger.
    Hunde die vor dem Ende der Pubertät kastriert werden, werden nie richtig erwachsen. Sie verbleiben im juvenilen Stadium.


    Wenn keine medizinischen Gründe vorliegen ist vor der 3. Läufigkeit mit nachfolgender Scheinschträchtigkeit und Mutterschaft von einer Kastration abzuraten.
    Die Persönlichkeit und damit das Verhalten des Hundes, sowie seine Körperliche Entwicklung sind frühestens mit 3 Jahren abgeschlossen.
    Bei bestimmten Rassen, z.B. Herdenschutzhunde, dauert es 4 bis 4,5 Jahre ehe sie Erwachsen sind.


    Der Arzt und der Halter verstoßen gegen das Tierschutzgesetz wenn sie den Hund aus nicht medizinischen Gründen kastrieren bzw. kastrieren lassen.
    Die ersten Berichte über dementsprechend Verurteilte Tierärzte sind im Internet zu finden.



    Literatur
    Kastration und Verhalten beim Hund von Sophie Strodtbeck und Udo Gansloßer Verlag Müller Rüschlikon ISBN: 978-3-275-01820-8
    Kastration beim Hund von Dr. Gabriele Niepel Verlag Kosmos ISBN: 978-3-440-10121-6
    Eigene Notizen nach einem Seminar von PD Dr. Gansloßer

    Gruß Oskar


    Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean. (Isaac Newton)
    Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber niemand hat ein Recht auf eigene Tatsachen.
    Viele Menschen wissen von ihren Hunden nicht viel mehr, als was sie gekostet haben. (Horst Stern)