Kastration - Anstiftung zur Kastration

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  • Rat zur Kastration strafbar?


    Streng bezogen auf die eingangs gestellte Frage, antwortet der Jurist -wie üblich- : "Es kommt darauf an".


    Grundsätzlich strafbar wäre es, wenn ein an der Kastration selbst unbeteiligter Dritter, also auch ein Forenteilnehmer, den Hundehalter zur rechtswidrigen Kastration anstiftet, § 26 des deutschen StGB.
    Gabis im Beitrag von 16:55 Uhr wiedergegebene Auskünfte sind also prinzipiell richtig.


    Anstiften bedeutet, dass beim eigentlichen (Mit-)Täter (=Hundehalter) der Entschluss zur Haupttat (=Kastration) hervorgerufen wird. Der Hundehalter darf also nicht schon selbst zur Kastration entschlossen sein. Sonst läge -strafloser- Anstiftungsversuch vor.


    Als Mittel der Anstiftung kommen in Betracht : Überredung, Ratserteilung, Anregung, Drohung, Irrtumserregung etc.


    Also auch ein Forenbeitrag, wenn dieser eines dieser Elemente enthält.
    Der Anstifter muss wissen, dass und wozu er bestimmt. Er muss alle Umstände kennen, welche die Tat (=Kastration) zu einer rechtswidrigen macht im Sinne des (deutschen) Tierschutzgesetzes. Einzelheiten der Haupttat braucht der Anstifter nicht zu kennen, z.B. Ort und Zeit, weitere Täter, also z.B. ausführenden Tierarzt.
    Bedingter Vorsatz des Anstifters genügt, also wenn dieser die Möglichkeit in Betracht zieht, daß die Kastration im Einzelfall diesem Gesetz widerspricht, also strafbar ist, sie aber dennoch billigt und dazu rät oder auf andere Weise den Hundehalter dazu bestimmt.
    Hält der Anstiftende ohne vorwerfbares Verschulden die Kastration im Einzelfall für gerechtfertigt, bleibt er straflos.


    Wie gesagt, der Anstifter macht sich nur strafbar, wenn es dann auch wirklich zur rechtswidrigen Kastration kommt im Sinne des deutschen TSchG.
    Der den Auftrag erteilende Hundehalter und der ausführende Tierarzt sind dann gemeinschaftlich Mittäter.
    Es genügt, wenn der Anstifter einen von ihnen zur Tat bestimmt.


    Kommt es nicht zur Kastration auf Grund der Anstiftung, oder erweist sich die Kastration als geboten nach TSchG, handelt es sich um einen straflosen Versuch.


    Lorena hat Recht, § 6 des Tierschutzgesetzes regelt Ausnahmefälle.
    Zum Beispiel meint § 6 Abs. 1 Nr. 5 2. Alternative "zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung" vor allem die Verwendung des Tieres in der Landwirtschaft.


    Tatsächlich dürften sich viele Tierärzte strafbar machen wegen ausgeführter Kastrationen, die nicht im Einklang mit dem Tierschutzgesetz stehen.
    Der Hundehalter kann den Tierarzt nicht anstiften und umgekehrt. Findet die Kastration statt, sind Hundehalter und Tierarzt Täter der Haupttat, deshalb wegen dieser strafbar, nicht wegen Anstiftung zu dieser.
    Kommt es dann doch nicht zur Kastration, bleibt es wiederum beim straflosen Versuch.
    Aber das ist nicht Gabis eigentliches Thema.


    Mit entsprechend die Kastration befürwortenden Beiträgen sollten Forenteilnehmer also sehr zurückhaltend sein.


    Die Entscheidungshoheit hat nicht der Tierarzt, sondern immer der Halter bzw. Eigentümer des Hundes. Der ist die letzte Instanz. Ohne dessen Einverständnis darf der Tierarzt nicht behandeln, erst recht nicht operieren.
    Nur in ganz engen Ausnahmen (=Notfällen) darf und muss der Tierarzt handeln. Wenn die Zustimmung des Halters aus irgendwelchen Gründen nicht eingeholt werden kann, oder dieser evtl. nicht geschäftsfähig ist (z.B. Kind), im Moment nicht einsichtsfähig ist (z.B. volltrunken, gibts ja alles), aber sofortige Behandlung notwendig und daher auch i.S.d. TSchG gerechtfertigt ist.
    Zum Beispiel auch, wenn dem Tierarzt eine Fundhündin gebracht wird, deren Halter nicht rasch genug ermittelt werden kann und eine festgestellte fortgeschrittene Gebärmuttervereiterung zur sofortigen Operation/Kastration zwingt, um Leben zu erhalten.
    Dann wäre dies rechtmäßige "Geschäftsführung ohne Auftrag", auch eine vom TSchG erlaubte Kastration, und berechtigte den TA, auch sein Honorar einzufordern vom später ermittelten Eigentümer.


    Auch wenn die Schuld ungleich verteilt ist, bleibt Täter dennoch Täter.
    Ist mehreren Tätern unterschiedliche Schuld vorzuwerfen, führt dies zu ungleich schweren Strafen. Das Strafmaß ist das Regulativ.
    Der Anstifter kann bestraft werden in einem Ausmaß wie der Strafrahmen reicht für die eigentliche Tat. In den erörterten Fällen üblicherweise Geldbußen bis zu 25.000,-- Euro, § 18 TSchG.
    Ein Täter, z.B. der Halter, kann durchaus milder bestraft werden als der Anstifter oder der Tierarzt-Täter. Wenn etwa der Tierarzt den durch den Anstifter hervorgerufenen Entschluss beim Halter entgegen TSchG unterstützt oder noch bestärkt.
    Aber auch wenn der TA dem Entschluss des Halters gleichgültig gegenübersteht, dennoch kastriert ohne Rechtfertigung nach TSchG, wird das Verschulden des Tierarztes normalerweise höher bewertet als das des Halters. Gegen ihn können auch Nebenstrafen verhängt werden.
    Eben, weil dem TA eine besondere Verantwortung übertragen ist von Berufs und seiner Kenntnisse wegen. Kenntnisse auch der tierschützenden Gesetze und Verbote.
    Weil der TA natürlich kein willenloses Tatwerkzeug ist, muss er eine nach TSchG nicht zu rechtfertigende Kastration ablehnen.


    Solche "Werkzeuge" wären in anderen Fällen z.B. nichts ahnende, erfolgreich Getäuschte, Kinder, Geisteskranke. Oder auch Tiere, die man etwa auf Menschen hetzt, um Körperverletzung oder andere Straftaten zu begehen.
    Aber das sind völlig andere Sachverhalte.




    Verfasser: Barbara Brandes