Kastration - Hündin

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  • gesundheitliche Aspekte


    Als Gründe für eine Kastration werden sehr oft folgende Punkte genannt:
    - Vermeiden der Läufigkeit - Halter wollen sich diesem natürlichen Vorgang nicht stellen, befürchten Verschmutzung, Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit in dieser Zeit
    - Sorge vor der Scheinträchtigkeit
    - Sorge vor Gebärmutterentzündung bzw. Vereiterung
    - Angst vor Gesäugetumoren (Mammatumor)


    Sind diese Sorgen berechtigt und Grund genug für die Verstümmelung eines gesunden Hundes, insbesondere die Frühkastration ?


    Gebärmutter-Vereiterung


    Natürlich hat jeder Hündinnen-Halter Horror vor dieser Erkrankung, die möglicherweise zu spät erkannt wird, damit einen absoluten Notfall darstellt und sofort behandelt werden muß.
    Diese Erkrankung beginnt (meist unbemerkt) mit dem Ende der Läufigkeit. Die offene Pyometra lässt sich noch relativ leicht erkennen, da die Hündin Ausfluß hat, der einem aufmerksamen Halter sofort auffällt.
    Bei der geschlossenen Pyometra kommt kein Ausfluß vor.
    Mögliche Symptome sowohl bei der offenen als auch geschlossenen Pyometra können sein:
    - Temperaturanstieg
    - vermehrtes Trinken
    - Appetitlosigkeit
    - gestörtes Allgemeinbefinden


    Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann, muß aber keines dieser Symptome auftreten.


    Grundsätzlich sollte jeder Halter seine Hündin immer 8 - 10 Wochen nach jeder Läufgkeit genau auf diese möglichen Symptome hin, aber auch auf einen möglicherweise veränderten Allgemeinzustand beobachten und im Zweifelsfalle sofort zum Tierarzt gehen, der durch eine eingehende Untersuchung, Ultraschall und ggfls. Blutanalyse eine Diagnose stellen kann.
    Im Falle einer geschlossenen Pyometra ist meist die Kastration das Mittel der Wahl, da sich sonst der Eiter vermehrt und in den Bauchraum ergießen kann.
    Bei Gebärmutterentzündung bzw. Hündinnen, die aus medizinischen Gründen eine Operation nicht überstehen würden, kann u. Umständen auch erfolgreich mit Alizin und Antibiotika behandelt werden. Dies muß natürlich in jedem Einzelfall mit dem TA abgesprochen werden, welche Methode die richtige ist.
    Ausnahme:
    Hündinnen, die an Diabetis mellitus leiden,sollten kastriert werden, da die weiblichen Geschlechtshormone Gestagen und Östrogen die Wirkung des Insulins behindern.


    Scheinträchtigkeit/Scheinmutterschaft
    Im allgemeinen Sprachgebrauch wird von Scheinträchtigkeit gesprochen, man sollte aber korrekterweise unterscheiden in


    Scheinträchtigkeit
    die sofort mit Ende der Läufigkeit beginnt und für die das Hormon Progesteron verantwortlich ist. Es kann zu ruhigerem Verhaltung, Anlehnungsbedürftigkeit und/oder allgemeiner Unlust kommen


    Scheinmutterschaft
    die nach ca. 60-63 Tagen beginnt und für die das Hormon Prolaktin verantwortlich ist. Dieses Hormon ist für die Ausbildung des Gesäuges, der Milchproduktion, Nestbau und dergl. zuständig.


    Jede Hündin (ob gedeckt oder nicht) unterliegt diesem vollkommen natürlichen, hormonellen Prozess.


    Bei früh kastrierten Hündinnen wurde häufig eine infantile Vulva beobachtet. Dies erhöht die Gefahr von Vaginalinfekten, die sich bei zu dicken Hündinnen noch verstärkt.


    Mammatumor
    Natürlich kann eine Hündin einen Mammaturmor bekommen, verschiedene Studien sprechen von 30-40 % Mammatumoren bezogen auf alle Tumorerkrankungen (gut-und bösartige)
    Nach meinen Recherchen ist das Risiko eines Mammatumors für die verschiedenen Hunderassen sehr unterschiedlich, z.B. beim Pudel sehr hoch, beim Chihuahua als eher gering einzustufen.
    Spezielle Studien auf den Chi bezogen sind mir nicht bekannt.


    Nach diversen Ausführungen von Dr. Udo Ganslosser sind die Prozentsätze von Mammatumoren (gut- und bösartig) nach diversen Quellen wie folgt:
    - Kastration vor der 1. Läufigkeit 0,001 - 0,009 %
    - Kastration nach der 1. Läufigkeit 0,016 -0,15 %
    Beides würde ich zur Frühkastration zählen, da ein Chihuahua auch mit der 2.Läufigkeit noch keinesfalls erwachsen ist
    - später kastriert 0,05 -0,5 %


    Es gibt diverse, vorbeugende Maßnahmen, die völlig frei von Nebenwirkungen sind, wie:
    - Verzicht auf zu hohe proteinhaltige Ernährung
    - Verzicht auf hormonelle Läufigkeitsunterdrückung
    - Übergewicht (insbesondere im 1. Lebensjahr) ist unbedingt zu vermeiden



    verhaltensbiologische Aspekte



    Agression
    Diverse Halter möchten durch Kastration das Verhalten ihrer Hündin ändern, dies ist bei Agressionsverhalten aber nur in Einzelfällen der richtige Weg.
    Ist eine Hündin etwas zickig, agressiv um die Zeit der Läufigkeit, kann eine Kastration Abhilfe schaffen, es stellt sich aber die Frage, ob hier nicht der gleiche Erfolg mit dem richtigen Managment durch Seiten des Halters erreicht werden kann.


    Hündinnen, die sich allgemein rüpelhaft benehmen und statusbedingte Agressionen zeigen, oder auch etwas "rüdenhaftes" haben, sollten eher nicht kastriert werden, da sich dadurch das Verhalten eher verschlimmert. Verantwortlich dafür sind wieder die Hormone. Durch Kastration entfällt das weibliche Hormon Östrogen und das männliche Hormon Testosteron nimmt überhand. Hündinnen, die im Gebärmutterhorn der Mutter zwischen Rüden lagen, weisen oftmals vermehrt Testosteron auf.


    Besondere Vorsicht ist bei ängstlichen, unsicheren Hunden geboten. Jede Läufigkeit gibt einer Hündin mehr Selbstvertrauen und trägt zur Reife von Gehirn und Verhalten bei. Dieser Prozess wird durch Frühkastration unterbunden und daher zeigen früh kastrierte Hündinnen oft lebenslang infantiles Verhalten.


    Dann gibt es noch das Argument: sie wird ja doch nie Mutter, darunter leidet die Hündin.
    In Rudeln verwilderter Haushunde konnte nachgewiesen werden, dass höchstfalls 30-50 % der Hündinnen jemals zur Fortpflanzung kommen.



    Bücher zum Thema:
    Dr.Gabriele Niepel, Kastration beim Hund (Chancen und Risiken - eine Entscheidungshilfe)




    "Kastration beim Hund - Eine Entscheidungshilfe" von Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck
    Müller Rüschlikon, ISBN(13) 978-3275018208, ISBN(10) 3275018205, EUR 19,95
    160 Seiten, Hardcover

    Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen.
    Ziehen Sie statt dessen doch mal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.
    Edward Hoagland


    Kontakt: eva.kroll@chihuahua.de
    zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin